Auch in Deutschland hat das Ph�nomen Tradition: wenn die Urlaubszeit naht, erkennt mancher Tierfreund j�h, da� aus seinem goldigen Welpen ein gro�er, lebhafter Hund geworden ist, den man weder wochenlang allein in der Wohnung zur�cklassen noch ans Schwarze Meer mitnehmen kann. Da liegt der Gedanke nahe, dem Tier die Freiheit zu schenken. Beispielsweise an einer Autobahnrastst�tte, wo man es sorgsam anbindet, damit es nicht wom�glich vors Auto l�uft. Ein ganz �hnliches Verhalten ist in Griechenland ma�gebliche Ursache des Streunerproblems, wie Stefan Grothus im folgenden beschreibt.
(Juni 04, Arche Noah Kreta)
Tradition
Vergiftungsaktionen haben regelrecht Tradition in Griechenland. Griechische Tiersch�tzer berichten, dass die Streuner fr�her auf ein Boot gebracht und weit drau�en auf dem Meer �ber Bord geworfen wurden. Die Hunde sind dann nach stundenlangem Schwimmen ertrunken. Es war allgemein bekannt, dass das so gemacht wurde.
Vergiftungen sind erst �blich, seit es �berall diese Chemikalien zu kaufen gibt. Es werden regelm��ige Vergiftungsaktionen in den St�dten durchgef�hrt, deren Urheber oder Verantwortliche aber nie bekannt werden. In den Metropolen gibt es niemanden, der zugibt, f�r Vergiftungen zu sorgen, aber in regelm��igen Abst�nden sterben Streuner an Gift. Es gibt aufgrund der �rtlichen und zeitlichen Gegebenheiten der Vergiftungen Vermutungen, dass die M�llabfuhr mit dem Auslegen der K�der beauftragt wird, aber das sind nur Spekulationen, die sich nicht beweisen lassen. Die systematischen und fl�chendeckenden Vergiftungen von Bezirk zu Bezirk lassen aber eindeutig durchblicken, dass hier eine gr��ere Organisation und geplantes Handeln h�herer Organe vorliegt. Es wird aber niemand von offizieller Seite sagen, dass organisiert vergiftet wird.
Tiersch�tzer berichten, dass es in den D�rfern meistens eine gewisse Anzahl Leute gibt, die regelm��ig vergiften. Das sind private Aktionen, die angeblich nichts mit dem B�rgermeister oder einer �bergeordneten Instanz zu tun haben. In den D�rfern wird ganz offen dar�ber gesprochen, wenn jemand Gift auslegt. Es ist ebenfalls normal, dass damit gedroht wird, wenn es Probleme mit Hunden gibt. Der pers�nliche Besitz ist ein h�heres Gut als das Leben eines Streuners, der eben diesen bedroht. Es werden auch keine Alternativen gesehen, z. B. die H�hner evtl. durch Z�une oder St�lle vor den Hunden zu sch�tzen, so wie wir es hierzulande tun, um Sch�den durch F�chse oder Marder zu verhindern. Den Leuten in den D�rfern geht es oft auch finanziell sehr schlecht. Gift ist billiger als ein Zaun und es macht weniger Arbeit.
In touristischen Orten ist die Lage wieder anders. Dorthin kommen viele Urlauber aus Athen oder anderen griechischen Gro�st�dten und setzen h�ufig dort ihre �berfl�ssig gewordenen Hunde aus. Im Winter werden s��e Welpen angeschafft, die bis zum Sommerurlaub gro� sind und in der Stadtwohnung st�ren und zu viele Anspr�che stellen. Dann fahren die Familien im Sommer in ihr Ferienh�uschen. Wenn sie wieder abfahren, wird der Hund im Urlaubsort zur�ckgelassen: dort ist es idyllisch und sch�n, und dort wird es dem Hund sicherlich gut gehen. Fast wird das schon wie ein Befreiungsakt f�r den Hund betrachtet: er kann wieder sein nat�rliches Leben als Tier in der Freiheit leben.
Tiersch�tzer in Griechenland wissen: Wenn man irgendwo hinkommt und es sind keine Streuner mehr da, wo vorher regelm��ig welche gesehen wurden, dann sind die kurz vorher vergiftet worden.
Die jahrzehntelange Tradition des Vergiftens ist der beste Beweis daf�r, dass Gift keine L�sung f�r das Streunerproblem ist. Kastrationsaktionen helfen, wenigstens das Weitervermehren zu verhindern. Das gr��te Problem sind aber die Menschen, die sich niedliche (Rasse-)Welpen aus privaten Zuchten oder aus Ostblock-Importen im Pet-Shop kaufen und diese Tiere, wenn sie erwachsen und l�stig oder gar krank werden, einfach vor die T�r setzen.
Das ist das eigentliche Problem der Streunermassen und damit ein hausgemachtes. Das Desinteresse vieler Menschen gegen�ber den Bed�rfnissen und der Lebensweise der nichtmenschlichen Kreatur f�hrt zu romantischen Phantasien vom "Leben in freier Wildbahn", und so wird das Gewissen derer rein gewaschen, die ihren Familienhund auf die Stra�e entsorgen. Der Akt des Aussetzens wird wie ein "Entlassen in die Freiheit" gewertet, und vor den vielen elenden, hungernden Streunern werden die Augen verschlossen. Die haben nat�rlich nichts mit dem eigenen freigelassenen Hund zu tun ...